Also, ich lag dann draußen auf der Trage und wurde in den Rettungswagen geschoben. Auch hier war aber keine Blutdruckmessung möglich, da auch der Schwerlast-Rettungswagen keine dementsprechende Blutdruckmanschette an Bord hatte. Kaum ausgesprochen, kam einer der Feuerwehrmänner an und meinte, er hätte durch Zufall doch eine Manschette gefunden. Die Beurteilung dieser Sache, verkneife ich mir mal lieber.
Wir kamen recht schnell in der Klinik an, ist quasi um die Ecke. Drinnen stellte man fest, dass man keine Trage für mich dort in der Notaufnahme hatte. Also wurde ich auf einen Transportstuhl aus einem Rettungswagen gesetzt. Es wurde mir ein EKG angelegt, Sauerstoffgabe, Kontrolle der Blutgaswerte etc. Dann versuchten drei verschiedene Pfleger und Schwestern bei mir Blut zu bekommen. Dabei zerstoch man mir Armbeugen, Handrücken und Handgelenke. Ein Pfleger bekam etwas Blut, den Zugang für die Infusion hat dann ein Arzt am Handgelenk gelegt. Komisch, er schaffte das mit einem Stich. Dann bekam ich massig Cortison und noch zwei oder drei andere Sachen mit der Infusion. Leider lief diese nur, wenn ich das Handgelenk überstreckte.
Nebenbei bemerkte man dann, dass es noch 2-3 Stunden dauern kann, bis ein passendes Bett vor Ort wäre. Soviel zu der Aussage des Rettungswagenfahrers “… das dauert 10 Minuten, dann ist ein passendes Bett vor Ort …“. Als das Bett dann endlich da war, saß ich bereits 3,5 Stunden auf diesem Stuhl, war völlig erschöpft, mein Handgelenk schmerzte vom Überstrecken, merkte aber bereits auch, wie das Cortison wirkte. Konnte schon etwas freier atmen und besser schlucken.
Dann ging es also los aufs Zimmer. Ich rechnete eigentlich mit nem Doppelzimmer, hoffte aber auf ein Einzelzimmer. Zimmer für so Schwerstgewichtige sind in der Regel immer Einzelzimmer, aus den verschiedensten Gründen. Da werde ich aber später noch in einem eigenen Artikel drauf eingehen. Naja, sie schoben mich in ein langes schmales Zimmer, in dem schon zwei Patienten lagen. Zwischen den Betten war kaum ein Durchkommen, die Waschgelegenheit war für mich gar nicht zu erreichen. Die Toiletten waren nur durch einen Gang über den Flur erreichbar. Und da war der Punkt wieder erreicht, an dem ich fast ausgeflippt wäre. Das war der Punkt, an dem ich wusste, warum ich gebeten habe, nach Essen in die Klinik zu kommen.
Das Personal war in jeder Hinsicht überfordert mit mir und hatte nicht ansatzweise Erfahrung mit Schwerstgewichtspatienten. Traurig, dass es scheinbar diesbezüglich noch nicht mal Fortbildungen gibt. Wie auch immer, ich war froh, dass ich zuhause noch auf dem Klo war, bevor es ganz schlimm wurde. Denn im Krankenhaus wäre ein Gang aufs WC nicht möglich gewesen, da auch keine dementsprechenden Toiletten (Standtoiletten) vorhanden waren.
Da die Schwestern in der Notaufnahme den Infusionszugang nicht richtig befestigt haben, riss ich mir den Zugang beim Aufstellen meines C-PAP Gerätes raus. Die Nachtschwester meinte mir dann auf sehr unfreundliche Art klar machen zu müssen, dass sie jetzt wegen mir den Arzt rufen müsste.
Jetzt reichte es mir. Ich verweigerte eine weitere Infusion. Die Nacht war furchtbar, kaum Schlaf und furchtbar warm im Zimmer. Am nächsten Morgen kam direkt wieder eine Schwester und wollte eine Infusion legen. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass ich das verweigere (soviel zur Informationsweitergabe beim Personal). Im Verlauf des Vormittags kamen übrigens nochmal zwei Schwestern wegen der Infusion. Gegen 10:00 kam dann endlich die Ärztin, und ich konnte endlich meinen Text ablassen … “Ich möchte bitte umgehend auf eigenen Wunsch entlasse werden” … Die Ärztin wollte mich gerne noch eine weitere Nacht da behalten, aber das lehnte ich ab. Es ging mir mindestens 1568 % besser, ich konnte wieder komplett frei atmen, konnte wieder trinken und Schlucken (Das halbe Brötchen nach 1,5 Tagen nichts essen war köstlich), und hatte kaum noch Schmerzen im Hals. Die Ärztin stimmte dem dann auch zu.
Habe dann auch nur noch fast vier Stunden auf meine Entlassungspapiere warten müssen.
Ich war so froh, dass ich wieder zuhause war, das kann sich niemand vorstellen. Es war so ein traumatisches Erlebnis, das will ich nicht wieder erleben müssen..














Gute Besserung!!!
Danke ;)
Sch*!!, mehr kann man da echt nicht zu sagen! Das Gute ist, dass du relativ schnell wieder nach Hause konntest. Ich hoffe nur, dass du dich von dem Mist nicht runterziehen lässt. Kopf hoch und nach vorne schauen!
Moin Larry ! Da bin ich auch sehr sehr froh. Und keine Frage, runterziehen lasse ich mich nicht. Sonntag wirds sicher nicht so auf der Waage, da erstens die Nahrungsaufnahme in den letzten 10 Tagen völlig aus dem Ruder war, und zweitens, das Cortison ziemlich nebenwirkt und ich extrem Wasser eingelagert habe.
Willkommen wieder zuhause kann man da nur sagen und gratulieren. Und zum Zitat: “Nachtschwester meinte mir dann auf sehr unfreundliche Art klar machen zu müssen, dass sie jetzt wegen mir den Arzt rufen müsste.” kann man nur sagen, dass die Frau leider den Beruf verfehlt hat. Solche Leute sollten am besten Bücher sortieren oder sonstiges, aber bitte nicht in Kontakt mit Mitmenschen arbeiten. Fürchterlich.
Aber was zurückliegt, liegt zurück. Nach vorne schauen und froh sein, dass es dir wieder 1568% besser geht! :D
Weist Du denn jetzt wenigstens was den Schock ausgelöst hat? Ist ja echt Hammer, was ich hier lesen muss … ein Hoch auf die 1568%
Ich habe jetzt Zeit gefunden beide Berichte zu lesen. Von Erschütterung bis Wut über das was du erlebt hast, ist alles an Gefühlen dabei. Schlimm finde ich, dass du immer noch nicht weißt, was es ausgelöst hat. Ich hoffe sehr, dass du nie wieder in solche eine Situation gerätst und sowas nochmal durchmachen musst. Alles erdenklich Gute für dich.
Mann oh mann, das ist ja äzend! Gut, dass es dir wieder besser geht.
LG Kia
@ Alex: Ist schon der Knaller, was sich so alles in der Pflege tummelt.
@ Pummeltrine: Nein, die hatten keinen Plan. Vibono Eiweißshake, eines der zwei Rachensprays oder ein Beistoff von Dörrfleisch vermute ich selbst. Genau wird man das aber wohl erst irgendwann mal nach einem Allergietest wissen.
@ Diana: Danke Diana ! Wut ist genau das, was ich letztlich auch empfand.
@ Kia: Dank dir !
Das alles macht einen regelrecht sprachlos!
Wenn ich das lese , komm ich mir vor wie im falschen Film!
Solche erlebten Berichte nehmen einem echt das letzte Vertrauen in Krankenhäuser, Pflegepersonal usw.
Wünsche Dir trotz dieser weiteren nicht so tollen Erfahrung alles Gute und bleib am Ball!
Oh man, da hast Du ja echt nen Faden mitgemacht.
Ich bin froh, dass es Dir wieder besser geht und Du nun zu Hause sein kannst.
@ Schnuffi: Meistens kann das Krankenhaus da noch am wenigsten für. Der Schuldige sitzt mit fettem Arsch an nem Schreibtisch in der Regierung.
@ Frau Yubaba: Jup, das hängt auch alles noch ziemlich nach. Danke dir !
Pass aber auf dich auf Mario,
das kann sich alles wiederholen,muss ja nicht sein,aber besser ist besser.
Schone dein da sein,und ruhe dich aus!
Ein liebes Schweizergrüsschen sendet dir Noldi.
Ja, das ist wahr! Da siitzen welche am Ruder, die das ganze vermasseln
Da haste ja ein ganz schönes Martyrium hinter Dir, mein lieber Mann!
Wünsche Dir eine gute Besserung und wie Noldi schon schrieb… pass auf Dich auf! Berichte wie dieser einer ist müssen sich nicht wiederholen ;-) .
@ Noldi: Das werde ich tun, Noldi. Vielen Dank und schön, dass es dir gut geht.
@ Schnuffi: Leider
@ Thomas: Danke Thomas … ein gutes hat es ja, aufgrund dieser Erfahrungen kann ich später mal etwas gegen solche Missstände etwas unternehmen.
Noch sind das hauptsächlich traumatische Erlebnisse. Aber es gibt immer mehr Schwerstgewichtspatienten, und irgendwann werden die ersten diese Mißstände mit ihrem Leben bezahlen.
Was mich am meisten schockt ist diese Klinikgeschichte mit dem Personal?
Wie oben erwähnt fehlt es anscheinend an Schulungen im Umgang mit Patienten…
Ja ich kann zu 100% nachfühlen das es ein absoluter Alptraum war diese Geschichte!